Was zum *&@#§?

Sicherlich haben Sie einen solchen „Fluch“ schon einmal in der Sprechblase eines Comics gesehen. Die Aneinanderreihung solcher Zeichen soll den Text auf jugendfreiem Niveau halten, kann frei interpretiert werden und ist natürlich ansonsten völlig sinnfrei (und auch beliebig). Vielleicht haben aber auch Sie, wenn Sie nicht häufig über der Computertastatur sitzen, schon einmal geflucht, wenn Sie zwischen Buchstaben und Zahlen nach dem richtigen Zeichen gesucht haben – oder haben sich gefragt, wofür bestimmte Zeichen stehen und woher sie kommen. Schauen wir sie uns einmal an.

Am bekanntesten – und leider auch am häufigsten „missbraucht“ – ist das &, das immerhin allgemein verständlich und leicht zu deuten und zu lesen ist, hat es doch in allen Sprachen die einheitliche Bedeutung „und“. In der verbreiteten Schriftart Trebuchet ist die Herkunft der Zeichens noch gut zu erkennen: & entstand als Ligatur („Verbindung“ zweier Buchstaben) aus dem lateinischen Wort et für „und“, und dementsprechend nennen wir es in Deutschland Et-Zeichen oder kaufmännisches Und-Zeichen, umgangssprachlich Kaufmanns-Und. Im Englischen entstand aus dem Begriff and per se & („und-für-sich-&“) der heute übliche Begriff ampersand für dieses Zeichen. Handschriftlich wird das Zeichen auch häufig als griechisches Epsilon (ɛ) dargestellt, das vertikal durchgestrichen ist.

Im Duden Die deutsche Rechtschreibung (24. Auflage, S. 107) heißt es klar und deutlich: „Das Et-Zeichen & ist gleichbedeutend mit »und«, darf aber nur bei Firmenbezeichnungen angewendet werden. In allen anderen Fällen steht »u.« als Abkürzung für »und«.“ In einer erweiterten Interpretation sind natürlich auch Namen von Duos (Simon & Garfunkel, Astérix & Obélix) oder bestimmte Titel (Thelma & Louise  für einen Film, Haus & Garten für eine Zeitschrift) „Firmenbezeichnungen“ und folglich in dieser Schreibweise zulässig. Außerdem wird das & in Formeln verwendet, die ohnehin schon aus Abkürzung bestehen, etwa B&B für Bed and Breakfast. Das Zeichen kommt gelegentlich auch in &c. für etc. („usw.“) zum Einsatz. Jede andere Verwendung (etwa auf Hinweisschildern) ist natürlich nicht „verboten“ und fällt teilweise auch unter die künstlerische Freiheit graphischer Gestalter.

Auf keinen Fall verwechseln sollte man Et- und At-Zeichen. Während das & in der einen oder anderen Form schon seit mindestens 2.000 Jahren in Europa gebräuchlich ist, wurde das Zeichen @ in vielen Ländern – auch in den deutschsprachigen – erst durch die Einführung der E-Mail bekannt. Da es grundsätzlich als at gelesen wird (das englische Wort für „bei“), nennt man es auch im Deutschen At-Zeichen, im Volksmund daneben scherzhaft Affenschaukel, Klammeraffe und ähnliches. (Im Hebräischen wird das Zeichen übrigens als Strudel [שטרודל] bezeichnet.)

Das @ ersetzte schon lange vor der E-Mail das Wort at in englischen Bezeichnungen. Wollte man beispielsweise eine Kreuzung angeben, etwa die berühmte von Hollywood Boulevard und Vine Street in Hollywood, konnte man kurz “Hollywood @ Vine” schreiben (lies: “Hollywood at Vine”). Die Verwendung im Sport ist mittlerweile auch hierzulande üblich, wenn man angibt, dass eine Mannschaft (Gastmannschaft) „bei“ einer anderen (Heimmannschaft) spielt, also „Gast @ Heim“ (dies dient der Unterscheidung von jener Schreibweise, bei der die Heimmannschaft zuerst genannt wird). Auch das deutsche „zu“, das hierzulande oft mit dem französischen à abgekürzt wird („10 Äpfel à 50 Cent“, d.h. zehn Äpfel zu je 50 Cent), kann man englisch als “10 apples @ 50¢” schreiben. Die Ursprünge des Zeichens sind zweifelhaft, die Erklärungsversuche vielfältig, aber eine Herleitung vom französischen à wäre immerhin denkbar. Eine andere Deutung vermutet die Ableitung vom lateinischen ad, das ebenfalls „zu“ oder „bei“ bedeutet.

Als Ray Tomlinson 1971 die E-Mail-Adresse erfand, suchte er nach einem Zeichen, das zwar auf (amerikanischen) Tastaturen vorhanden war, aber selten genutzt wurde, so dass es sich zweckentfremden ließ. Die Aussprache “at” passte zudem, weil das Zeichen ja zwischen dem Nutzer und dem Namen der Domain stand, also tatsächlich den Sinn von „bei“ hatte („NutzerX bei FirmaY“).

Heute hat sich das @ – dank des E-Mail-Einsatzes – so sehr verselbständigt, dass man mit dem Symbol allein das gesamte Internet kennzeichnen kann: Auf einem Stadtplan oder einem Wegweiser etwa kann es als sprachunabhängiger Hinweis für Internetzugänge verwendet werden, den jeder versteht.

Wie & und @ kommt auch # ursprünglich aus dem kaufmännischen Bereich. Im Deutschen wird es korrekt als Doppelkreuz bezeichnet, umgangssprachlich (aber geometrisch inkorrekt) auch als Raute (was mit der echten Raute ◊, dem Zwischensummenzeichen auf Kassen, verwechselt werden kann!), scherzhaft als Lattenzaun, Schweinegatter und ähnlich. Im Englischen kennt man es – je nach Verwendung als hash oder number sign (so auch die offizielle Unicode-Bezeichnung), aber vor allem in Amerika auch als pound. Man weiß nicht genau, woher das Symbol kommt, aber die Bezeichnung pound deutet darauf hin, dass es seinen Ursprung ebenfalls in einer Ligatur haben könnte, und zwar aus dem (früher auch in Deutschland verwendeten) lb für „Pfund“ (von lateinisch libra).

Vor allem im Englischen wird das Zeichen gern als Kürzel für „Nummer“ („Nr.“) bzw. “Number” (“No.”) verwendet, etwa in “We’re #1!” („Wir sind die Nummer 1!“). Popularität gewann das Doppelkreuz hierzulande durch den Gebrauch in den sozialen Medien, vor allem bei Twitter. Das englische Wort tag bedeutet „Anhänger“ oder „Etikett“, und wenn man seine Botschaft mit einem „Etikett“ versehen möchte, setzt man ein #, also ein hash, davor und hat einen hashtag. Wohlgemerkt: Das Zeichen # heißt hash(mark), aber nicht hashtag – der bezeichnet nur das Zeichen zusammen mit dem nachfolgenden Begriff!

Eine ausführliche Version dieses Beitrags gibt es in meinem Buch Dr. Kinnes Sprechstunde, das auch einen Link zu meinem Online-Quiz enthält.

 

Image by SweetMellowChill from Pixabay

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