Andere Länder, andere Kürzel

Wer viel mit Ländern zu tun hat und Ländernamen nicht ständig wiederholen möchte, wünscht sich einfache Länderkürzel – und natürlich gibt es die. Manche sind sogar recht bekannt, und das ist ja auch eine Voraussetzung für eine einfache Identifikation.

Ganz aus der Mode gekommen sind die Kürzel, die man auf Kraftfahrzeugen findet. Sie wurden in den Übereinkommen über den Straßenverkehr 1949 und 1968 festgelegt. In Europa waren sie recht bekannt (D für Deutschland, A [Austria] für Österreich, CH [Confoederatio Helvetica] für die Schweiz, L für Luxemburg, FL für das Fürstentum Liechtenstein), aber in manchen Teilen der Welt (z.B. den USA) wurden sie praktisch nicht verwendet. Für ordnungsliebende Menschen hatten sie auch den Nachteil, dass sie aus ein bis drei Buchstaben bestanden, also unterschiedlich lang waren. In Deutschland war die Kennzeichnung ausländischer Fahrzeuge Pflicht, heute sind die Kürzel innerhalb Europas in das Euro-Kennzeichen integriert.

Eine Zeitlang nach Einführung der Postleitzahlen in vielen Ländern wurden sie auch vor diese gesetzt, um unterscheiden zu können, ob ein Brief nach D-5000 Köln oder CH-5000 Aarau ging. Dieser Brauch prägte sich so ein, dass selbst heute noch Adressen mit D-12345 angegeben werde, obwohl der Weltpostverein (WPV) diese Kennzeichnung seit den späten 90er Jahren ausdrücklich nicht mehr wünscht, da eine Verwechslungsgefahr in Ländern besteht, die auch Buchstaben im Postleitsystem verwenden (z.B. die Niederlande). Heutzutage spielt der Briefverkehr für den Normalverbraucher aber ohnehin keine wichtige Rolle mehr.

Mit dem Niedergang des Briefeschreibens ging natürlich der Aufstieg des Internets einher und damit wurden auch die allgegenwärtigen Country Code Top Level Domains (ccTLDs) sehr bekannt, also die Länderkürzel aus zwei Buchstaben, die am Ende einer Internetadresse stehen. Man kennt im deutschen Sprachraum .de, .at und .ch, aber auch .nl, .fr. und .it sind leicht zu „erraten“, wenn man sie nicht kennt. Es gibt allerdings auch weniger naheliegende, etwa .se für Schweden – einfach, weil es viele Ländernamen gibt, die mit S beginnen und das (wegen Sverige) „intuitiv“ naheliegende .sv ausgerechnet für ein Land steht, dessen Name gar nicht mit S beginnt: El Salvador. Slowenien hat die TLD .si, während .sl für Sierra Leone steht (und die Slowakei .sk verwendet).

Nun wurden die TLDs von der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) in den achtziger Jahren festgelegt, aber es basiert auf einer wenige Jahre älteren Norm der Internationalen Organisation für Normung (International Standardization Organization = ISO), die 1974 eine (nach politischen Veränderungen immer wieder geänderte) Liste von 2-Buchstaben-Kürzeln in ihrer ISO 3166 festlegte (ISO 3166 ALPHA-2).

Länder, die ihre Unabhängigkeit später erlangten, standen vor dem Problem, dass viele Kürzel schon belegt waren: Tschechien und Kroatien hatten beide mit dem Kürzel CR (für Croatia bzw. Česká republika) geliebäugelt, doch das war bereits für Costa Rica vergeben, und so musste man sich im einen Fall mit dem Exonym (einer fremdsprachlichen Bezeichnung) Czech Republic und im anderen Fall mit dem Endonym (der eigensprachlichen Bezeichnung) Hrvatska begnügen und „landete“ so bei CZ bzw. HR.

Es gibt ansonsten kaum Unterschiede zwischen den Kürzeln in beiden Listen, mit einer recht signifikanten Ausnahme für das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland: Die TLD lautet .uk (für United Kingdom), der ISO-Code hingegen GB (für Great Britain) (obwohl .gb auch als ccTLD registriert ist, aber nicht genutzt wird). Grund ist, dass der ISO-Code stets auf dem Ländernamen basieren soll und nicht auf der Staats- oder Organisationsform (also „Königreich“ oder „Republik“ etwa). Das Problem am Kürzel GB ist allerdings, dass es nur für „Großbritannien“ (= England, Schottland und Wales) zu stehen und Nordirland auszuschließen scheint.

Und was ist mit „US“ für die United States of America? Das Problem bei den USA ist, dass der „Name“ des Landes – abgesehen von der Beschreibung der Organisationsform („vereinigte Staaten“) – auch der des Doppelkontinents ist und man die USA zumindest offiziell niemals nur als „Amerika“ bezeichnen sollte, weil dies alle anderen Länder Nord- und Südamerikas ausschließt. Genaugenommen ist aber der Begriff „Vereinigte Staaten“ ebenso unzureichend als Landeskennzeichnung, da es unmittelbar südlich die Vereinigten mexikanischen Staaten (Estados Unidos Mexicanos) gibt, die ebenso einen Anspruch auf die Bezeichnung hätten.

Bei rund 200 selbständigen Staaten (und auch einigen weiteren Gebieten mit eigener TLD) reichen zwei Buchstaben zur eindeutigen Identifizierung eigentlich aus, und folglich sind die zwei Buchstaben der TLDs oder der ISO-Norm …. die kürzestmögliche eindeutige Darstellungsform. Der Nachteil liegt aber darin, dass manche dieser Kürzel schwer zu erschließen sind, wenn man sie nicht kennt oder die Liste vor sich hat. Aus diesem Grunde sieht die ISO 3166 auch einen „ALPHA-3“-Code mit drei Buchstaben vor. Hier steht DEU für Deutschland (vom deutschen Deutschland), AUT für Österreich (vom französischen Autriche) und CHE für die Schweiz (vom lateinischen Confoederatio Helvetica).

Darüber hinaus haben noch andere internationale Organisationen eigene Code-Listen, meist ebenfalls mit 3 Buchstaben. Am bekanntesten dürften die Kürzel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sein. Hier steht GER für Deutschland (Germany), AUT für Österreich (Austria) und SUI für die Schweiz (Suisse). Diese Codes, die um 1972 standardisiert wurden, basieren – aus Tradition – häufig auf der französischen Form des Ländernamens (Autriche oder Suisse), aber eben nicht immer.

Für Deutschland wurden neben dem heutigen GER (für das englische Germany) bei den Winterspielen von 1968 in Grenoble ALL (für das französische Allemagne), bei den Sommerspielen des gleichen Jahres in Mexiko-Stadt ALE (für das spanische Alemania) und von 1980 bis 1988 FRG (für dasc englische Federal Republic of Germany) verwendet, während für die DDR, die von 1968 bis 1988 eigene Mannschaften stellte, GDR (German Democratic Republic) und ADE (République Démocratique Allemande) Verwendung fanden.

Der Vorteil der IOC-Codes ist, dass sie oft leichter intuitiv zu entschlüsseln sind, z.B. ALG für Algerien (statt ISO-Code DZ/DZA). In einigen Fällen hilft aber auch die Intuition nicht weiter: BAH steht beim IOC für die Bahamas, BRN für Bahrain und BRU für Brunei Darussalam – bei der ISO hingegen steht BRN für Brunei Darussalam, BHR für Bahrain und BHS für die Bahamas.

Auch der Weltfußballverband FIFA hat eigene Länderkürzel, die mal dem ISO- und mal dem IOC-Code entsprechen. Im Falle des Kosovo aber gibt es beispielsweise einen ganz anderen: ISO verwendet XKX, das IOC das Kürzel KOS und die FIFA KVX. Und für die Zentralafrikanische Republik verwenden IOC und ISO einheitlich CAF, aber die FIFA CTA.

Eine ausführliche Version dieses Beitrags gibt es in meinem Buch Dr. Kinnes Sprechstunde, das auch einen Link zu meinem Online-Quiz enthält.

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