Karibik drunter und drüber

Der eine oder andere hat schon einmal auf einer Karibikinsel Urlaub gemacht und ist dabei möglicherweise auch auf verwirrende Bezeichnungen getroffen, die sich nicht nur aus der Tatsache ergeben, dass auf den Inseln englisch, französisch, spanisch und niederländisch gesprochen wird. Für alle, die nicht wissen, wo über und unter dem Wind ist, hier eine kleine Inselkunde:

Der umfassendste Begriff für die Inselgruppe ist Westindische Inseln – ein Begriff, der allein schon verwirrend genug ist, denn sie liegen ja nicht westlich von Indien, sondern lediglich auf dem westlichen Seeweg nach Indien, den Kolumbus gefunden zu haben glaubte.

Die Westindischen Inseln (engl. West Indies) bestehen wiederum aus zwei Inselgruppen, den Lucayen (zu denen die Bahamas und die Turks- und Caicosinseln gehören) und den Antillen.

Letztere sind wiederum unterteilt in die Großen und Kleinen Antillen. Die Großen Antillen (Greater Antilles) bestehen (von West nach Ost) aus den nordwestlich gelegenen großen Inseln Kuba, Jamaika, Hispaniola (mit den Staaten Dominikanische Republik und Haiti) und Puerto Rico. Alle anderen – südlicher und östlicher davon gelegenen – Inseln am Rande des Karibischen Meers bilden die Kleinen Antillen (Lesser Antilles).

Die Kleinen Antillen wiederum werden unterteilt in „Inseln über dem Winde“ und „Inseln unter dem Winde“. Das könnte man sich noch merken, aber: Die Zuordnung der einzelnen Inseln zu den Inselgruppen ist je nach Nation und Sprache unterschiedlich! So zählen die Briten die nördlichen Inseln von den Jungferninseln bis Dominica zu den Leeward Islands (also „unter dem Winde“) und den südlicheren Rest (aber ohne Trinidad und Tobago!) zu den Windward Islands (also „über dem Winde“), während für Spanier, Franzosen, Deutsche und Niederländer alle Kleinen Antillen von den Jungferninseln bis einschließlich Tobago und Trinidad zu den Inseln über dem Wind (Islas de Barlovento / Îles au Vent / Bovenwindse Eilanden) gehören. Die Spanier wiederum bezeichnen üblicherweise die geographisch und erdgeschichtlich zu Venezuela gehörenden Inseln von Aruba, Bonaire, Curaçao (= ABC-Inseln) bis Isla Margarita als Inseln unter dem Winde (Islas de Sotavento) – für die Briten sind dies hingegen die Leeward Antilles!

Die ehemaligen Niederländischen Antillen (die 2010 aufgelöst wurden) und Aruba (das nicht dazugehörte) wurden wiederum intern eingeteilt in Benedenwindse Eilanden (ABC-Inseln) und Bovenwindse Eilanden (Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten = SSS-Inseln). Die Inseln Aruba, Curaçao und Sint Maarten bilden übrigens seit 2010 je eines der vier Länder (landen) des Königreichs der Niederlande – das vierte Land des Königreichs bilden die Niederlande selbst, zu denen der europäische Teil sowie die übrigen Antilleninseln (Bonaire, Saba, Sint Eustatius = BES-Inseln) zählen.

Eine ausführliche Version dieses Beitrags gibt es in meinem Buch Dr. Kinnes Sprechstunde, das auch einen Link zu meinem Online-Quiz enthält.

 

Foto (Curaçao): Heike Kaldenbach

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