Geographische Verwechslungsgefahr

Wir kennen die Anekdoten von den Touristen, die von ihren Reisebüros nach Oakland (Kalifornien) statt nach Auckland (Neuseeland) oder nach Porto (Portugal) statt nach Bordeaux (Frankreich) geschickt wurden. Aber es gibt auch verwirrend viele ähnlich klingende Namen auf der Landkarte. Und zu den ähnlichen Toponymen (Ortsnamen) kommen auch noch die Demonyme (Bezeichnungen für die Einwohner) …

Sind die Bewohner von Grenada Grenadiere? Oder Grenadinen? Weder noch – sie sind weder Soldaten noch Sirup. Die Bewohner des Inselstaates Grenada in der Karibik (der zur Inselgruppe der Grenadinen gehört, aber politisch selbständig ist) sind Grenader, während die Einwohner der andalusischen Stadt und Provinz Granada Granadiner (span. granadinos) heißen. Doch wie heißen dann die Bewohner von St. Vincent und den Grenadinen? Sie heißen allesamt Vincenter, ganz gleich von welcher der Inseln sie stammen!

Aber nun zurück zu den verwirrenden Namen. Eine ähnliche Frage wie in der Karibik stellt sich in Afrika: Die Bewohner des Niger sind Nigrer, die von Nigeria hingegen Nigerianer. (Im Englischen heißen sie übrigens – noch verwirrender – Nigeriens bzw. Nigerians!)

Ziemlich weit voneinander entfernt liegen Mauretanien im Westen des afrikanischen Kontinents und der Inselstaat Mauritius im Indischen Ozean. Die Bewohner von Mauretanien sind Mauretanier; das Adjektiv dazu lautet mauretanisch. Die Bewohner von Mauritius sind Mauritier; das Adjektiv heißt mauritisch (möglich ist auch maurizisch).

Etwas südlich von Mauretanien liegt die ehemalige deutsche Kolonie und heutige Republik Togo, deren Bewohner Togoer heißen und nicht zu verwechseln sind mit den Tongaern im weit entfernten Südseeinselstaat Tonga.

Togo liegt übrigens am Golf von Guinea, und das führt zu einem weiteren Verwirrspiel, denn es gibt ganze vier verschiedene Staaten, die die Bezeichnung Guinea im Namen tragen: Äquatorialguinea, Guinea, Guinea-Bissau (alle drei in Westafrika) und Papua-Neuguinea (in Südostasien). Die Bezeichnungen für die Bewohner (und die Adjektive dazu) lauten: Äquatorialguineer (äquatorialguineisch), Guineer (guineisch), Guinea-Bissauer (guinea-bissauisch), Papua-Neuguineer (papua-neuguineisch).

Wenn wir nun von Papua-Neuguinea ein wenig mit dem Finger auf der Landkarte nach Westen reisen, kommen wir nach Malaysia. Dieser Staat entstand erst 1963 als Zusammenschluss von Malaya (auf der Malaiischen Halbinsel), Sarawak, Sabah (beide auf der Insel Borneo) und Singapur (das sich 1965 wieder aus dem Verbund löste). Die Bewohner dieses neuzeitlichen Staatenbundes nennen sich Malaysier. In der Region lebte aber schon lange davor das Volk der Malaien, die ihre malaiische Sprache (Bahasa Melayu) sprachen und noch heute sprechen. Auf dieser Sprache aufgebaut (und zu 80% identisch) ist die malaysische Variante (Bahasa Malaysia), die man auch als malaysisches Malaiisch (Melayu Malaysia) bezeichnet.

Im Vergleich zu all diesen fernen Ländern liegen die oft verwechselten europäischen Staaten Slowakei und Slowenien fast vor unserer Haustür. Die Slowakei (offiziell Slowakische Republik, Hauptstadt: Pressburg, Bewohner: Slowaken) entstand aus der Auflösung der Tschechoslowakei (ČSFR), Slowenien (offiziell Republik Slowenien, Hauptstadt: Laibach, Bewohner: Slowenen) hingegen aus der Auflösung Jugoslawiens.

Eine ausführliche Version dieses Beitrags gibt es in meinem Buch Dr. Kinnes Sprechstunde, das auch einen Link zu meinem Online-Quiz enthält.

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